Ein Mensch ist ein Mensch, weil er Gefühle hat, eigene Entscheidungen trifft und in der Lage ist, Wissen und Fähigkeiten zu erlernen. Doch was passiert, wenn auch auf Maschinen diese Eigenschaften zutreffen? Wenn ein Roboter nicht nur sprechen, sondern sich dies auch eigenständig beibringen kann? Wenn er selbst lernt, zu gehen, zu fühlen und wie ein Mensch zu denken? Wissenschaftler aus der ganzen Welt arbeiten derzeit daran, diese Fiktion Wirklichkeit werden zu lassen.



iCub ist wie ein 2-jähriges Kind… …soll das sprechen selber lernen… …fühlen, sehen, hören und tasten können
iCub ist wie ein 2-jähriges Kind...
...soll das sprechen selber lernen...
...fühlen, sehen, hören und tasten können


iCub ist 104 Zentimeter groß und 22 kg schwer. Ein drei- bis vierjähriger Junge mit den geistigen und motorischen Fähigkeiten eines Zweijährigen – mit dem Unterschied, dass kein Blut, sondern elektronische Impulse durch seine mechanischen Adern fließen. Sein Gehirn besteht auch nicht aus Nervenzellen, sondern aus einer OpenSource-Software (basierend auf YARP – Yet Another Roboter Protocol), die laufend von den Forschern angepasst und verbessert werden kann. iCub ist ein Roboter der neusten Generation und das Ergebnis des EU-finanzierten Forschungsprojekts „RobotCub", dessen 8,5-Millionen-Euro-Förderung in diesem Jahr ausläuft.

Ziel des Projekts war es, einen genaueren Einblick in den menschlichen Verstand zu erhalten. „Wenn wir die Natur der Kognition besser verstehen wollen, müssen wir sie im Kontext von etwas verstehen, das sich bewegt und mit Objekten interagiert", erläutert Murray Shanahan, Professor für Informatik am Imperial College London, einem der zehn Partnerinstitute des RobotCub-Projekts. Mithilfe der durch iCub gewonnen Erkenntnisse soll es zudem möglich werden, Roboter zu entwickeln, die die Bedürfnisse der Menschen eigenhändig erkennen und gemeinsam mit ihnen Aufgaben ausführen können.

Ziel ist es, Roboter zu entwickeln, die die Bedürfnisse der Menschen
eigenhändig erkennen und gemeinsam mit ihnen Aufgaben
ausführen können.


Bisher ist iCub („Cub" steht für „Cognitive Universal Body") in der Lage zu krabbeln, zu sitzen, zu fühlen, zu sehen und zu hören. Zuletzt war er im April 2010 auf der weltgrößten Industrieschau „Hannover Messe" zu sehen, wo er mit einem Handschlag das Herz der Kanzlerin Merkel eroberte. Nach Abschluss des Projekts sollen die bisher entwickelten 20 Prototypen, deren Stückpreis rund 200.000 Euro beträgt, an Universitäten auf der ganzen Welt als Plattform für weitergehende Forschungen fungieren.

Bereits im März ist das auf vier Jahre angelegte und von der Europäischen Union mit rund sechs Millionen Euro geförderte Projekt ITALK (Integration and Transfer of Action and Language Knowledge in Robots) angelaufen, in dem der kleine Babyroboter das Sprechen erlernen soll. Dafür trainieren die Wissenschaftler gemeinsam mit Sprachforschern seine Spracherwerbsfähigkeit. Anhand von Methoden, die Eltern gegenüber ihren Kindern anwenden, soll er das Sprechen aus eigener Kraft erlernen. Zudem ist geplant, den iCub mit einer künstlichen Haut zu versehen, die ihm einen menschenähnlichen Tastsinn verleihen soll.

Bis auch die breite Öffentlichkeit von den Fähigkeiten der sogenannten humanoiden Roboter profi tiert, dürfte allerdings noch eine ganze Weile vergehen. In drei bis fünf Jahren erwarten die Forscher erste aussagekräftige Ergebnisse. Sollte es bereits vorher weitere Neuigkeiten über die kleine Mensch-Maschine geben, wird Sie Adulante selbstverständlich darüber informieren.